Eat real – Be real

Richtig essen, was heisst das eigentlich? Gibt es die eine gesunde Ernährung, die man allen Menschen empfehlen kann? Diese Fragen werden mir immer wieder gestellt. Auch mich haben sie viele Jahre beschäftigt und sie tun dies immer noch.

Doch nachdem ich mich nun schon mittlerweile Jahrzehnte damit befasse und viele verschiedene Ernährungsformen ausprobiert und gelebt habe, komme ich zu einem vorläufigen Fazit.  Mein Fazit lautet: eat real – be real. Es ist für mich das Wichtigste, wenn es darum geht, sich gesund zu ernähren. Aber was meine ich nun genau damit?

Die Basics

Fangen wir mit der Basis an: Essen ist dazu da, uns mit der nötigen Energie auszustatten. Wir brauchen Nahrung zur Ernährung unseres Körpers. Sie soll uns mit allem versorgen, was der Körper braucht, um zu wachsen, zu arbeiten, zu reparieren und zu regenerieren. Dies sind erst einmal die „hard facts“. Aber natürlich müssen und sollten wir meiner Ansicht nach nicht bei diesem nüchternen Blick bleiben. Essen kann auch Genuss, Freude und Gesellschaft sein. Die Ernährung hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf Kultur und Lebensweise. Und manchmal entscheidet sie über Gesundheit und Krankheit. Wenn wir möglichst lange und gesund leben wollen, dann beschäftigen wir uns heutzutage automatisch auch mit der Frage nach einer gesunden Ernährung.

Ernährung ist Luxus

Ernährungsformen kommen und gehen. Sie sind teils Trends und gesellschaftlichen Stimmungen unterlegen. Manche davon sind von längerer Dauer und setzen sich mit der Zeit immer mehr durch.

Aber eins sind sie garantiert immer: Sie sind Luxus. Denn nur wenn wir so sehr in der Fülle und im (Über)Angebot leben, können wir uns doch erst die Frage stellen, wie wir uns ernähren möchten. Viele Menschen auf der Welt stehen nicht vor der Wahl, was sie essen möchten. Sie essen das, was da ist, um satt zu werden.

Gott-sei-dank haben wir die Wahl und können uns deshalb um das Wie sorgen. Wir können, wie das kleine Mädchen oben, lustvoll in die üppig gefüllte Schale des Essens greifen. Eigentlich sollten wir uns über die Vielfalt und die Möglichkeiten dessen freuen. Was aber viel häufiger der Fall ist, ist der selbst gewählte Verzicht, der durch unterschiedlichste Beweggründe motiviert wird.

Ernährung und Verzicht

In den letzten Jahren haben sich ein paar Ernährungsformen immer mehr etabliert, die ich kurz betrachten möchte. Die hier aufgelistete Übersicht möchte aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Ich habe nur diejenigen ausgewählt, die den Verzicht auf bestimmte Lebensmittelgruppen beinhalten und die ich selbst aus eigener Erfahrung beurteilen kann.

  1. Vegetarische Kost
  2. Vegane Kost
  3. Paleo/Steinzeit Kost
  4. Mischkost

Bei der vegetarischen Ernährung wird das Essen von Fleisch und ggf. in verschiedenen Abstufungen auch das Essen von Eiern und Fisch gemieden. Milchprodukte hingegen werden gegessen. Die vegane Kost geht einen Schritt weiter und meidet alle Lebensmittel, die vom Tier stammen. Ersatzalternativen sind dann häufig Linsen- und Bohnenvariationen, insbesondere Produkte der Sojabohne.

Bei der Paleo- oder Steinzeit-Kost beziehen sich ihre Anhänger auf die Grundannahme, was unsere Vorfahren vermutlich gegessen haben, bevor es den Ackerbau gab. Es werden Gemüse, Früchte, Nüsse, Eier, Fleisch und Fisch bevorzugt. Getreide, Milchprodukte und alles „Industrielle“ wird gemieden.

Bei der Mischkost werden alle Lebensmittel gegessen und das idealerweise in einem ausgewogenen und abwechslungsreichen Verhältnis. Wenn hier also verzichtet wird, dann auf alles Maßlose.

Eat real

Alle hier vorgestellten Ernährungsformen haben eins gemeinsam: Sie legen Wert auf eine bewusste Art des Essens. Idealerweise haben sie noch ein weiteres, gemeinsames Merkmal: Sie betonen eine im Wesentlichen auf Pflanzen basierte Ernährung! Und allen ist es wichtig, „echtes Essen“ zu wählen.

Hier kommen wir wieder meinem Fazit sehr nahe. Ich bin der Meinung, dass der beste Weg, sich gesund zu ernähren der ist, wieder echte Lebensmittel zu wählen. Verabschieden wir uns doch besser von den Sachen, die uns in Tüten und Packungen angepriesen werden. Greifen wir wieder zu Grundnahrungsmitteln, so wie die Natur sie uns anbietet, ohne grosse Weiterverarbeitung. Im amerikanischen Raum wird hier synonym von „real food“, „no processed food“ oder von „clean eating“ gesprochen.

Die bekannte US-Trainerin Jillian Michaels empfiehlt nur das zu essen, was aus der Erde kommt oder eine Mutter hat. Konkret heisst das: Kartoffeln ja (sie kommen aus der Erde), Kartoffelchips nein (sie kommen aus der Fabrik und aus der Tüte).

Der Journalist Michael Pollan rät: „Essen Sie Lebens-Mittel. Nicht zu viel. Und vorwiegend Pflanzen.“ Sein Buch „64 Grundregeln Essen“ ist kurzweilig geschrieben und bringt vieles knapp auf den Punkt, was mit richtigem Essen gemeint ist.

Fleisch ja oder nein?

Letztlich ist es eine ganz individuelle Entscheidung, auf Fleisch oder gar auf alle tierischen Produkte zu verzichten. Jeder sollte dies mit sich selbst ausmachen dürfen. Was ich nicht korrekt finde ist, eine Moral und ein Politikum daraus zu machen.

Auch möchte ich kurz zu bedenken geben, ob wir mit einer vegetarischen oder veganen Ernährung tatsächlich den Tod vermeiden können. Sicherlich können wir Tierqual und unnötiges, übermässiges Töten von Tieren vermeiden. Das sind sehr wichtige und begrüssenswerte Entwicklungen, die wir aber wiederum auch nur aus Wohlstand heraus treffen können. Unsere Vorfahren mussten das essen, was die Natur ihnen geboten hat. Sie taten dies aber gewiss im Einklang mit dem Rhythmus der Natur und in Demut & Dankbarkeit, etwas Essbares erhalten zu haben.

Durch den heutigen, massiven Ackerbau werden zum Beispiel Tiere bei der Feldarbeit getötet oder aus ihrem natürlichen Lebensraum verdrängt und können ohne diesen schwer überleben. Wer tiefer in diese Materie einsteigen und für sich eine Entscheidung bezüglich des Fleischessens treffen möchte, dem empfehle ich das Buch: „Ethisch essen mit Fleisch“ von Lierre Keith.

Als Grundübel würde ich lieber die allgemeine Maßlosigkeit und Dekadenz sehen. Wenn du dir darunter nichts vorstellen kannst, empfehle ich den Film: „Taste the waste“. Hier wird eindrucksvoll geschildert, wie viele Lebensmittel täglich auf dem Müll landen und dies meist nur, weil wir die Regale immer voll haben möchten.

Be Real

Zum Abschluss möchte ich noch etwas Nachdenkliches äussern, um damit mein Fazit von oben noch verständlicher zu machen. Das Philosophieren und Diskutieren über unsere Ernährungsformen ist Luxus. Und es ist Ausdruck, wie sehr wir uns auf das Körperliche reduzieren. Doch wir sind nicht nur Körper, sondern auch noch Geist und Seele. Wir haben also über das Körperliche hinaus noch eine mentale und spirituelle Dimension, die häufig unterernährt daherkommt.

Haben wir in den Wohlstandsgesellschaften denn keine anderen Lebensinhalte mehr, als uns zu fragen, ob wir uns nun einen Nachtisch erlauben (obwohl er die Figur ruinieren könnte) oder ob es fair ist, eine Latte macchiato mit Kuhmilch zu trinken?

Der Theologe Kai Funkschmidt äusserte sich in einem Interview, dass insbesondere Ernährungsformen, die durch einen wie auch immer gearteten Verzicht deswegen so rege Anhängerschaft finden, weil ihnen allen ein Heilversprechen innewohnt. Viele Menschen werden von der Idee fasziniert, sie seien durch eine ganz bestimmte Ernährungsideologie erstens nicht mehr anfällig für Krankheiten und zweitens, weil diese als Weltrettungs-Konzept stilisiert wird. In letzter Konsequenz, so der Theologe, hiesse dies, dass Selbsterlösung durch richtige Ernährung möglich sei.

Dort, wo früher die Kirche Gebote des Fastens und des Verzichts aufstellte, tun dies heute neue Ernährungsdogmen. Die Journalistin und Autorin Franziska Seyboldt sagt: „Mit religiösem Eifer über Ethik und Inhaltsstoffe zu streiten sei der falsche Weg.“

Dem möchte ich mich letztlich anschliessen, indem ich sage: Be real. Sei echt. Sei du selbst. Triff deine eigenen Entscheidungen und triff diese bewusst. Freu dich an dem, was dir gegeben ist. Freu dich eventuell am selbst getroffenen Verzicht, anstatt dich insgeheim besser als die anderen zu finden. Sei demütig und dankbar für das, was deinen Körper gesund erhält. Und wisse, dass auch dein Geist und deine Seele der Nahrung bedürfen.

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