Wenn sich Berge auftun

Nicht immer läuft im Leben alles planmässig. Viel eher sind wir gelegentlich mit grossen oder anstrengenden Herausforderungen konfrontiert. Hindernisse, die sich meist unvorbereitet auftürmen, gehören irgendwie mit zum Leben. Sie zwingen uns dann und wann, bisherige Standards zu überdenken und eventuell die Kursrichtung zu ändern.

Auch wenn wir am liebsten den inneren Bergen, die sich vor uns auftun, ausweichen möchten, bleibt eine Konfrontation samt Veränderung meist unabwendbar. Eine Notwendigkeit für Veränderung wird entweder von aussen beispielsweise durch Trennung des Partners, durch Verlust eines geliebten Menschen, durch einen finanziellen Engpass, durch Verlust der Arbeit oder durch einen jobbedingten Umzug in eine andere Stadt/ ein anderes Land an uns heran getragen. Oder wir merken eigens, dass eine Veränderung unumgänglich geworden ist, da unser Verhalten und Tun auf längere Sicht uns selbst schadet. Wenn dann der Leidensdruck zu gross wird, sind wir gezwungen, umzudenken.

Meistens sind es aber eher die Berge, die uns von aussen vor die Nase gestellt werden, die uns besonders zu schaffen machen. Denn wir haben uns nicht eigens dafür entschieden, sondern werden einfach damit konfrontiert. Das Leben, so scheint es, will von uns Veränderung.

In diesen Momenten haben alte Denkmuster ausgedient und wir benötigen mitunter neue Lösungsstrategien für die neuen Herausforderungen des Lebens.

Geh deinen Berg

Auch wenn wir gern für andere oder uns selbst diese Berge versetzen wollen, geht das leider nicht so einfach. Wir möchten all zu oft ausweichen und echte Veränderung vermeiden. Aber manchmal geht es nur mitten durch. Stell dich deinem Berg. Fang an und schnapp dir deine mentale Trainingsausrüstung inklusive neuer Lösungsansätze.

Weiche nicht (mehr) aus. Versuche, dich nicht (mehr) abzulenken oder jemand anderes zu sein als du selbst. Das, was dir unvermeidlich begegnet, möchte DICH. Es ist deine Lektion. Geh deinen Weg. Geh deinen Berg. Wenn du weisst, dass dieser Aufstieg erst einmal eine Talwanderung beinhaltet und du alle einzelnen Schritte deiner Route besser kennst und verstehst, läuft sich der Weg leichter.

Komfortzone verlassen

Wenn wir in eine Veränderung hinein geschupst werden, fühlt sich das alles andere als bequem an. Nüchtern-neutral betrachtet ist das aber gut so. Denn wir sind dabei, unsere Komfortzone verlassen. Die Gegebenheiten, die uns vertraut sind und mit denen wir uns auskennen, müssen wir hinter uns lassen. Wir betreten Neuland.

Jenseits der Komfortzone wird vieles unabsehbar und eventuell riskant. Wir müssen uns irgendwie drehen oder wenden, damit das Leben weitergeht und der Schmerz, die Trauer oder die Wut vergehen.

Ausserhalb der Komfortzone wird es aber auch spannend. Das Leben erwartet von uns einen Kurswechsel. Wenn wir die Komfortzone verlassen, findet echtes Wachstum statt. Die Krise wird zur Chance. Schon die alten Griechen wussten über dieses Phänomen, als sie diese Situation mit „Krisis“ benannten. „Krise“ meint von alters her, sich zu entscheiden oder sich zu wenden. Eine Krise verlangt also von uns eine Entscheidung und eine Wendung, eine Veränderung.

Die klassischen Phasen von Veränderungsprozessen sind in der Fachliteratur beschrieben. Wenn wir diese gut kennen, können wir den Weg der Veränderung besser und bewusster gehen. Wir haben mit der Beschreibung der Phasen eine Art Navigation durch stürmische Zeiten oder durch unwegsames Gelände beim Aufstieg des Berges der Herausforderungen. Mit Hilfe der sieben Schritte ist es möglich, konstruktiv durch Krisenzeiten zu gehen.

Sieben Schritte der Veränderung

Eine negative oder belastende Erfahrung vollzieht sich meist in ähnlichen Grundmustern. Sie gleicht einer Tal- und Bergfahrt. Oder besser gesagt einer entsprechenden mentalen Wanderung, die erst in die Tiefen geht, um dann aufzusteigen. Auf diesem Weg begleiten uns bestimmte Etappen. Wenn wir diese kennen, läuft sich die Strecke bis zum „Gipfel“ besser.

Die Talfahrt beziehungsweise unser mentaler „Abstieg“ beginnt mit dem ersten Schritt (siehe unten). Dann geht es weiter abwärts bis wir bei den Schritten vier bis fünf die Talsohle durchschreiten. Haben wir Schritt sechs erreicht, haben wir das Gröbste hinter uns und sind sprichwörtlich „überm Berg“.

1. Schritt/ Schock: Mitten in unserem gewohnten Rhythmus des Lebens erreicht uns (unerwartet) eine schlechte Nachricht. Wir befinden uns in einer Art Schock-Starre und können nicht wirklich handeln. Wir fühlen uns vielleicht wie gelähmt. Zu diesem Zeitpunkt sind wir mehr oder weniger handlungsunfähig. Diese Phase kann, je nach Tragik und persönlichem Erleben Stunden bis Tage oder Wochen andauern.

2. Schritt/ Verneinung: Wir wollen das, was wir da erfahren haben, nicht wahrhaben. Es muss sich um einen Irrtum handeln. Es kann einfach nicht stimmen. Das, was wir erfahren, gehört oder erlebt haben, lehnen wir zutiefst ab. Wir können nicht anders als es innerlich oder äusserlich zu verneinen. Wir sagen schlichtweg Nein zu dieser Erfahrung. Das darf nicht sein.

3. Schritt/Wut, Trauer oder Depression: Nach der Abgrenzung durch das Nein setzt irgendwann der Zeitpunkt ein, an dem wir merken, dass wir mit unserer Ablehnung nicht weiterkommen. Trotzdem vergraben wir uns in Trauer, Traurigkeit oder Depression. Oder wir werden unglaublich wütend auf alles und jeden. Wir bäumen uns innerlich auf, rebellieren irgendwie immer noch gegen diese Erfahrung.

4. Schritt/ Resignation: Die ersten Schritte haben uns viel Kraft gekostet. Nun sinken wir innerlich ein wenig zusammen. Der Rebell in uns streckt die Waffen. Wir können nicht mehr – und wollen auch nicht mehr. Wir resignieren und ruhen eventuell aus.

5. Schritt/ Akzeptanz: Langsam lichtet sich das Dunkel und wir akzeptieren, was vorgefallen ist. Wir sehen vielleicht auch wieder das grosse Ganze und erkennen einen tieferen Sinn im Vorgefallenen. Im Idealfall können wir der erlebten und durchlebten Situation etwas Gutes abgewinnen.

6. Schritt/ Ausprobieren: Ja, jetzt kommt wieder das Leben in uns zum Vorschein. Wir blühen wieder auf. Hier können wir aufatmen und durchatmen. Vielleicht haben wir neue Ideen, neue Visionen. Und wir probieren aus, wie sich unser Leben danach anfühlt. Wir lassen Altes los, um Raum für Neues zu schaffen. Wir öffnen die Fenster des Herzens und der Seele, die sich nach Frischluft sehnen. Neugier und Tatendrang lassen uns jetzt neue Entscheidungen treffen und Veränderungen konkretisieren.

7. Schritt/ sich einbringen & Integration schaffen: Hier ist endlich der Zeitpunkt, an dem wir uns selbst auf die Schulter klopfen sollten. Wir sind durch eine wichtige Erfahrung gegangen. Seien wir doch mal richtig stolz auf uns. Neu eingegangene Wege der Veränderung festigen sich und wir werden zunehmend sicherer im neuen Fahrwasser.

(frei nach den „Phasen der Veränderung“ aus dem Lehrmaterial der Dr. Bock Coaching Akademie)

Auf dem Gipfel des Berges

Wir müssen Berge nicht versetzen. Wir können sie Schritt für Schritt bewusst erklimmen. Es ist Training für Seele und Herz. Und hinterher sind wir deutlich an der Erfahrung gewachsen.

Jeder, der schon einmal einen Berg bestiegen hat, weiss dass man von ganz oben eine sehr gute Aussicht hat. Und wie gut es sich anfühlt, den anstrengenden Aufstieg gegangen zu sein. Der Gipfel ist der Gipfel. Man gewinnt wieder den Überblick, nachdem man Schritt für Schritt den Weg nach oben bestritten hat. Hier oben begegnet uns neue Kraft und neue Inspirationen. Visionen tauchen an neuen Horizonten auf. Vielleicht fühlen wir uns auch so, als könnten wir tatsächlich hinterher „Berge versetzen“.

An diesem Punkt der Wegstrecke bieten sich idealerweise Coaching-Gespräche zur Unterstützung an. Die neu gewonnenen Ressourcen können jetzt perfekt eingesetzt werden, um aus Ideen und Visionen, Realität werden zu lassen. Und mit Hilfe von geeigneten Strategien erreichen wir unsere neuen Ziele besser.

Die Fähigkeit immer wieder aufzustehen

Früher oder später gilt es einen neuen Berg zu bezwingen. So verlangt es das Leben. Denn nichts ist so beständig wie der Wandel. Doch man kann die Fähigkeit, immer wieder aufzustehen, wenn man am sprichwörtlichen Boden war (siehe oben Schritte 1-4), erlernen. Diese Fähigkeit ist wie eine innere Widerstandsfähigkeit gegen die Widrigkeiten des Lebens. Man nennt dies Resilienz. Es ist eines meiner persönlichen Kernthemen im Coaching.

Vielleicht verstehen wir erst richtig was Glück, Liebe und Zufriedenheit bedeuten, wenn wir deren Gegensätze erfahren. Nimm die Herausforderung an. Lebe dein Leben hundertprozentig – auch wenn es mal unbequem und schmerzhaft wird. Denn ein hundertprozentiges Leben besteht nicht nur aus Sonnenschein, sondern auch aus den Schatten, die dieser wirft.

Steh also auf, richte deine Krone und lächle! Immer One-hundred-percent.

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