Nervennahrung Zucker?

Viele Menschen kennen sicherlich das unbändige Verlangen in stressigen Situationen und Phasen der Anstrengung nach süssen Lebensmitteln greifen zu wollen. Nichts scheint dann mehr zu beruhigen als eine süße Kleinigkeit. Und immer wieder und überall taucht der Glaubenssatz, „Süßes sei wahre Nervennahrung“ auf. Doch stimmt diese Aussage wirklich?

Zucker – schnelle Energie

Zucker und alle Zuckerhaltigen Lebensmittel sind sehr schnelle Energielieferanten, keine Frage. Sie befriedigen ganz schnell unseren Drang nach einem neuen Energieschub. Unser Belohnungszentrum im Gehirn freut sich. Und wir uns mit ihm. Fällt in Stresssituationen die Zuckerkonzentration mehr oder weniger rapide im Blut ab, freuen sich scheinbar die Zellen über so schnellen Nachschub. Es stimmt schon, dass unser Gehirn vermehrt Zucker, also Glucose benötigt, um leistungsfähig zu bleiben. Aber wenn wir dem Körper sehr schnell sehr viel Zucker zur Verfügung stellen, verbraucht er diesen auch genauso schnell. Und ein Kreislauf beginnt:

Wird dem Körper schnell viel Zucker zur Verfügung gestellt, versucht er ihn auch genauso schnell wie möglich an die Zellen weiterzugeben. Dies geschieht mit Hilfe des Hormons Insulin. Essen wir eine größere Menge Zucker, schüttet der Körper vermehrt und größere Mengen Insulin aus, damit die Zellen etwas mit dem Zucker anfangen können. Es ist sozusagen der Schüssel zum Eingangstor in die Zelle. Wenn der Zucker der Körperzelle bereit gestellt wurde, befindet sich aber noch das Insulin in der Blutbahn. War unser Zuckergelage groß, kommt es deswegen zu einem nachfolgenden starken Abfall des Blutzuckers und der Körper ruft unweigerlich: Bitte etwas Süßes – schnell!

Die eigentlichen Helden

Hat die Natur hier einen Fehler gemacht? Mitnichten. Unser Körper ist auf so große und regelmäßige Zuckermengen, wie sie uns heute zur Verfügung stehen, nicht ausgelegt. Außerdem verlangt der Körper bei Stress nicht nur nach schneller, neuer Energie durch Zucker, sondern er benötigt vor allem auch hochwertiges Eiweiß. Eiweiße (Proteine) sind große Moleküle (Makromoleküle) und einer der großen wichtigen Nahrungsbestandteile. Diese Moleküle bestehen wiederum aus Aminosäuren. Von ihnen gibt es essentielle, semi-essentielle und nicht-essentielle Formen. Die essentiellen Aminosäuren kann unser Körper nicht selber herstellen, sie müssen ihm durch die Nahrung zugefügt werden. Nicht-essentielle Aminosäuren (und auch unter bestimmten Gegebenheiten die semi-essentiellen Aminosäuren) kann der Körper selbst synthetisieren.
Die Aminosäuren benötigt der Körper für nahezu alle Stoffwechsel-Vorgänge. (Wer mehr dazu erfahren und ins Detail gehen möchte empfehle ich unter anderem diese Seite: http://www.aminosaeure.com)

Für das Thema Nervennahrung ist vor allem das Bilden von bestimmten Botenstoffen aus diesen Aminosäuren relevant. Aminosäuren spielen als Vorstufe für Hormone und für die Bildung sogenannter Neurotransmitter (Botenstoffe, mit deren Hilfe die Zellen untereinander kommunizieren) eine enorm wichtige Rolle. Ohne Neurotransmitter können Nervenzellen und andere Körperzellen nicht miteinander sprechen. Und ohne Hormone keine Stoffwechsel-Vorgänge.

Reaktionen bei Stress

Wenn wir nun unter Stress geraten, ganz gleich ob der Mensch früher ein böses Raubtier fürchtete oder heute Ärger mit dem Chef hat, verbraucht unser Körper größere Mengen der sogenannten Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin. Diese im Fachjargon als Katecholamine bezeichneten Stoffe bewirken Wachheit, Konzentration und geistige Spannkraft. Mangelt es uns an diesen Hormonen kommt es zu Abgespanntheit bis hin zu Depressionen. Dies dürfte auch die Ergebnisse der Graz-Studie (diese Studie basiert auf Daten des „Austrian Health Interview Survey/ AT-HIS“, einer Stichprobe der erwachsenen österreichischen Bevölkerung, die Teil der EU-weiten Umfrage „European Health Interview Survey“ ist) untermauern, in der festgestellt wurde, dass Vegetarier mehr zu depressiven Verstimmungen tendieren, als dies bei Nicht-Vegetarier der Fall ist.

Nerven benötigen also Aminosäuren. Wenn es zu einem Aminosäuren-Ungleichgewicht im Körper kommt, kann es zu nervöser Reizbarkeit kommen. Die Abnahme der Konzentrationsfähigkeit ist nicht nur auf ein Absinken des Blutzuckerspiegels zurückzuführen, sondern auch unsere Nerven sind dann nicht mit genügend Aminosäuren versorgt.

Haben wir hingegen genügend Aminosäuren zur Verfügung, können alle wichtigen Prozesse im Körper reibungslos ablaufen. Unsere geistige Kraft kann sich viel schneller regenerieren.

Wie können wir nun diese wunderbaren Aminosäuren zu uns nehmen?: Durch hochwertiges, tierisches oder pflanzliches Eiweiß in unserer täglichen Kost.

Hast du die Woche über hart gearbeitet und fühlst sich am Wochenende matt und betrübt? Vielleicht sind deine Aminosäuren unverhältnismäßig hoch verbraucht. Tanke also neben gutem Schlaf, Erholung, frischer Luft und Bewegung gern mit Genuss auch eine eiweissreiche Mahlzeit.

Hormon-Highlights

Abschliessend noch ein paar Aminosäure-Highlights. Vieles was wir uns im Leben wünschen, wird durch diese Hormone (die wiederum aus Aminosäuren bestehen) gefördert:

  • Glück (Endorphine)
  • Harmonie (Oxytocin)
  • Erfolg (Adrenalin/ Noradrenalin)
  • Kreativität (ACTH)
  • Führungskraft & gute Laune (Serotonin)

 

Jetzt bist du dran: Wie verhältst du dich bei Stress? Was isst du dann und wie fühlst du dich dabei?

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