Was uns Halt gibt

Menschen sind Beziehungswesen. Wir stehen mit anderen Menschen und unserer Umwelt in Verbindung. Es ist wichtig für uns, in Kontakt zu treten und uns auszutauschen. Sicherlich gibt es Menschen, die zurückgezogener leben und mehr introvertiert sind als andere. Dennoch ist es ein menschliches (Grund)-Bedürfnis, mit anderen zusammen zu sein. Wie aber können wir unsere zwischenmenschlichen Beziehungen festigen und verbessern?

Eines müssen wir uns gleich zu Beginn eingestehen: Dort draussen gibt es keinen Märchenprinzen (oder eine entsprechende Prinzessin), der (die) auf magische Weise in unser Leben kommen wird und ab diesem Zeitpunkt wird alles gut. Auch wenn wir Menschen Beziehungen (oder noch neutraler ausgedrückt: soziale Kontakte) brauchen, können wir von anderen nicht erwarten, dass diese unser Leben in Ordnung bringen und uns glücklich machen.

Niemand ist besser dazu geeignet, unser Leben zu ordnen als die Person, die uns morgens im Spiegel begegnet. Vielleicht ist uns diese Person mit den Jahren etwas fremd geworden und wir fragen uns, warum „sie“ so traurig drein schaut. Aber das Beste, was wir dann tatsächlich tun können ist, diese Person an die sprichwörtliche Hand zu nehmen, um ihr zu sagen:

„Hier ist dein Leben. Nimm es und mach was daraus. Kümmere dich um dich selbst.“

Automatisch entlastest du damit alle zwischenmenschlichen Beziehungen um den Anspruch, die anderen haben dich gefälligst glücklich zu machen.

Wenn zwei Hungrige aufeinander treffen und beide keine Nahrung bei sich haben, wird die Hungersnot nur noch grösser. Vorwürfe, Streit und schlimmere Diskrepanzen werden dann sehr wahrscheinlich.

Anstatt weiterhin den anderen „Nackten“ in die Taschen greifen zu wollen, müssen wir lernen, über drei (imaginäre) Brücken zu gehen – vorerst nacheinander. Als erstes über die Brücke zu uns selbst, dann zum „du“ und als letztes über die Brücke zum „Ganzen“ (dass heisst zu Gott, zum Universum, zur Natur oder was auch immer dein höchster Bezug ist).

Meine Überlegungen für bessere Beziehungen und den „Brückenbau“ (zu dir selbst und auch zu anderen) sind deshalb:

1. Kenne deine Bedürfnisse

Was braucht es, damit es dir gut geht? Nein. Das ist keine Frage, die dich auf den nächsten Ego-Trip bringt, sondern die ein gesundes Miteinander, ob mit Freunden, in der Familie oder mit dem Partner/ der Partnerin überhaupt erst ermöglicht. Finde heraus, was für dich in deinem Leben wichtig ist. Die Brücke zu deinem „ich“ muss als erstes gebaut werden. Kümmere dich um dich selbst und die Brücke zum „du“ wird begehbar.

Wenn du weisst, was dir in Beziehungen zu anderen wichtig ist, kommuniziere es so klar und einfach wie möglich an deine Nächsten.

In Coachings kann man zum Beispiel durch erprobte und bewährte Tests und Tools herausfinden, welche Bedürfnisse im eigenen Leben höhere Prioritäten haben als andere.

2. Sei körperlich

Ja, ja ja. Let’s get physical! Denn wem es noch nicht aufgefallen sein sollte: wir Menschen haben einen Körper. Und auch wenn wir uns tagtäglich vielleicht nur kopflastig-nachdenklich, rational oder virtuell durch die Gegend bewegen, ist der physische Körper da und nicht zu leugnen. Als körperliche Wesen haben wir auch körperliche Bedürfnisse.

Zunächst müssen wir gut für unseren Körper sorgen. Hier helfen uns perfekt die drei grossen Säulen:
1. gesunde Ernährung, 2. Bewegung und 3. Entspannung. Wir sollten uns also Gedanken darüber machen, welches „Benzin“ wir unserem „Motor“ geben. Denn wenn wir Sand ins Getriebe kippen, ist es kein Wunder, wenn das Leben nicht rund läuft. Darüber hinaus braucht die Wildkatze in uns Auslauf. Und Schlaf & Erholung sind zur Regeneration auch nicht zu unterschätzen.

In diesem Blog findest du in weiteren Beiträgen viele Anregungen, um dein Leben mit Hilfe dieser drei Lebensbereiche auszubalancieren. Wenn du konkrete Fragen hast oder Hilfestellungen benötigst, kannst du mich gern hierzu kontaktieren.

Aber natürlich geht es nicht nur darum, auf der materiellen Ebene für den Körper gut zu sorgen. Menschen möchten auch andere Menschen berühren. Sich gegenseitig spüren. Vielleicht hast du schon einmal erlebt, wie nahrhaft eine Umarmung sein kann? Wie gut sie dir tut und wie sie einen ganzen Tag verändern kann?

Auf der körperlichen Ebene können wir nur geben, wenn wir „voll“ sind. Und damit meine ich nicht, dass wir dazu erst in der Lage sind, wenn wir genügend Alkohol intus haben. Sondern wenn wir innerlich genährt sind – durch gute Ernährung, durch Bewegung für ein gutes Körpergefühl (oder warum haben sportlich sehr aktive Menschen mehr Spass im Bett?!) und durch ausreichende Erholung. Die internen Akkus sind dann voll und wir haben etwas zu geben – nämlich unsere volle Präsenz und Energie.

Gute Selbstfürsorge schließlich ist auch hier das Zauberwort. Sich körperlich anzunehmen, sich selbst lieben und wertschätzen zu lernen, um nicht körperlich bedürftig zu sein, sondern ein Liebesmagnet. Denn wir sind nicht automatisch attraktiv, weil wir den gängigen Schönheitsidealen entsprechen, sondern weil wir mit uns im Reinen sind.

3. Setze Grenzen

Wenn andere Menschen dir zu nahe kommen (im sprichwörtlichen wie im wortwörtlichen Sinn), dann solltest du innerlich eine Grenze ziehen. Dies geschieht zu deinem eigenen Schutz, nicht unbedingt aus Ablehnung.

Vielleicht ist dir schon einmal aufgefallen, dass du nach Gesprächen mit bestimmten Personen müde und erschöpft bist oder dich vielleicht sogar krank fühlst. Diese Menschen sind vermutlich nicht mit sich im Reinen und in keiner guten Selbstfürsorge. Eventuell sind sie „nackt“ und wollen in deine durch Selbstwert gefüllten „Taschen“ greifen oder dich im schlimmsten Fall von der Brücke zu deinem „ich“ schupsen. Schütze dich dann. Ziehe einen Schutzwall um dich herum, damit du genügend Energie hast, deine Brücken weiterzubauen und zu begehen.

Menschen, die dir mitunter sehr nahe stehen, meinen dies bestimmt durchaus nicht (immer) böse, wenn sie dir zu nahe treten. Aber nur indem du dich abgrenzt, gelingen Beziehungen. Es gibt ja Brücken zum „du“….

4. Reden ist Gold, Zuhören ist Gold

Wir Frauen reden gern. Ich denke indem wir reden, erfahren wir uns. Es gibt wohl auch Männer, die gern reden. Ich kenne persönlich nicht sooo viele Exemplare davon. Je nachdem wie es in deinen Beziehungen aussieht, solltest du versuchen, für einen gesunden Ausgleich zu sorgen. Auch wenn wir Frauen quantitativ mehr sprechen sollte das, was der Mann uns mit vielleicht weniger Worten zu sagen hat, an Gewicht für uns gewinnen. Es ist also egal, wie viel letztlich eine Person sagt, sondern was sie sagt und wie. Das sollte uns wichtig sein.

Ausserdem finde ich es für eine gelungene Gesprächs-Kultur wichtig, einander wieder zuzuhören. Und zwar nicht nur, um anschliessend unseren Senf dazuzugeben, sondern um des anderen willen. Um ihn/ oder sie besser zu verstehen. Man könnte es emphatisches statt kommentierendes Zuhören nennen. Einfach zuhören, um zuzuhören. Wetten, dass dann auch reden doppelt so viel Spass macht als vorher?!

5. Weitere Tugenden für gute Beziehungen

  • Respekt (vor dir selbst,  vor dem Leben und anderen Menschen, Tieren, Pflanzen…)
  • Ehrlichkeit ohne zu verletzten (auch dir selbst gegenüber, ohne Vorwurf, ohne Kränkung)
  • Verzeihen oder Vergeben (tu es zumindest für dich selbst, damit du wieder frei bist!)
  • Toleranz (die Menschen sind verschieden und das ist auch gut so)
  • Achtsamkeit (achte auf dich, auf deine Worte, deine Gedanken, deine Taten, sie wirken nicht nur in deinem Leben, sondern auch in den Leben deiner Mitmenschen)

Fazit

Beziehungen sind äusserst dynamische Gebilde. Auch wenn wir manchmal alles so zementieren möchten, wie es zu guten Zeiten verläuft: das Leben geht weiter. Menschen und deren Beziehungen ändern sich, weil wir uns im besten Fall jeder für sich und gemeinsam weiterentwickeln.

Durch Selbstfürsorge, also durch guten Kontakt zu mir selbst kann ich auch kontinuierlich prüfen, wie es um meine Beziehungen zu anderen steht. Ich kann meine Bedürfnisse ausdrücken, ich kann mich zurückziehen und Grenzen ziehen (wenn ich sie eine zeitlang oder dauerhaft brauche) und ich kann reden und meinem Gegenüber zuhören lernen.

So können wir uns begegnen. Frei. Genährt. Uns selbst und den anderen liebend. Einhundertprozent.

*******

Dies ist in Dankbarkeit für einen besonderen Menschen geschrieben, der mich auf ganz besondere Weise umarmt hat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s