Veganes Leben

Als Kind und Jugendliche hatte ich viele Jahre eine Abneigung gegen Fleisch, Fisch und Eier. Ich fand das einfach ekelig, konnte es aber nicht wirklich begründen. So lebte ich in jungen Jahren etwa 6 Jahre fast vegan, ohne es so betiteln zu können. Doch eines Tages änderte sich das wieder  – warum weiss ich bis heute nicht. Aber ich aß quasi von einem Tag auf den nächsten wieder „normal“. Erst durch meinen Glauben fand ich zum veganen Essen zurück.

Gott, der Glaube und ich

Mit etwa Mitte zwanzig hegte ich den Wunsch, meinem spirituellen Lebensbereich mehr Raum und Tiefe zu verleihen. Ich war bis dato in der lutherisch-evangelischen Kirche gewesen. Doch etwas fehlte mir zutiefst. Und so begab ich mich auf die Suche.

Ich erlebte die evangelische Kirche damals als sehr verkopft. Das Wort und die Predigt zähl(t)en hier viel. Keine Frage, dass das Wort Gottes mehr als wichtig für die Gläubigen ist. Aber ich wollte meinen Glauben nicht nur vom Versand her begreifen, sondern ich wollte, dass mein ganzes Leben Gott gewidmet ist. Mein Glaube sollte mein Leben von Grund auf ändern. Mein Herz und meine Seele sollten aufhorchen, nicht nur mein Kopf (Verstand).

Und ich wollte Lebensregeln, die meinen Glauben lebendiger machen sollten. Auch profane Lebensbereiche wie zum Beispiel die Ernährung sollten vom Glauben durchdrungen sein.

Meine Suche führte mich zur christlich-orthodoxen Kirche. Genauer gesagt zur griechisch-orthodoxen Kirche. Hier fand ich unter anderem nicht nur eine Ausrichtung meines Glaubens vom Herzens aus und tief gelebte Spiritualität, sondern auch ganz einfache alltägliche Lebensregeln, die seitdem meinen Alltag bestimmen.

Regeln, die Orientierung geben

Ich weiss, dass viele Menschen Regeln, Rituale und Gesetze (der Kirche) altbacken, überflüssig, rigide und zu sehr einschränkend finden. Mir geben sie aber im Positiven Halt. Ich habe eine Orientierung in einer Welt, die teils chaotisch wirkt, teils übervoll an Möglichkeiten ist, in denen man sich verlieren kann. Weil ich meine Richtlinien als Orientierung habe, fühle ich mich gut.

Fasten und Frei sein

In der orthodoxen Kirche gibt es feste Fasten-Zeiten (große wie kleine Phasen der Enthaltsamkeit) im Laufe des Jahres und feste Fasten-Tage innerhalb der Woche. Die Empfehlung für die Fasten-Tage bzw. -Zeiten ist immer die Gleiche: nämlich eine vegane Ernährung.

Im Kleinen bedeutet dies, dass es innerhalb der Woche mittwochs und freitags nur Pflanzliches gibt. Die veganen Wochentage geben ein Minimum vor. Während der längeren Fastenzeiten (zum Beispiel vor Ostern und vor Weihnachten) isst man dann ausschließlich vegan.

So ernähre ich mich teils Wochen- bis Monatelang vegan. Auch jenseits der Fastenzeiten esse ich, wann immer ich das Bedürfnis nach mehr innerer Klarheit habe, über einen längeren Zeitraum vegan.

Trotzdem möchte ich mich eher als Peganerin (siehe vorheriger Artikel), denn als Veganerin bezeichnen, da ich immer mal wieder zu tierischen Produkten greife. Dies mache ich äusserst selten, bewusst und voller Respekt. Denn das Leben aller und von allem ist heilig. Das der anderen Lebewesen, aber eben auch der gesamten Schöpfung – mich eingeschlossen.

Leben ist immer wertvoll

Ich habe festgestellt, dass es mir auf Dauer eher schadet als nützt, komplett auf tierische Produkte zu verzichten. Vor allem Eier sind für mich ein sehr wertvolles Lebensmittel – voller Vitalstoffe für ein gesundes Leben. Für mich ist es wichtig, auch mir gegenüber respektvoll zu sein und zu schauen, was mein Körper braucht, um gut zu leben. Im besten Fall natürlich nicht auf Kosten anderer. Aber eine Pflanze ist auch etwas Lebendiges und wir „töten“ sie ebenfalls, um sie zu essen. Auch dies gilt es zu respektieren.

Egal, wo der Mensch is(s)t, er richtet dort irgendwie „Schaden“ an. Wir können lernen, dies in aller Demut anzuerkennen und so bewusst wie möglich mit ALLEN Ressourcen umzugehen.

Durch das Fasten werde ich regelmässig innerlich frei vom Bequemen, von Gewohnheiten und vermeintlichen Süchten und Überzeugungen. Ich fühle mich während des Fastens nicht eingeschränkt, sondern losgelöst von dem, was mich (innerlich) einschränkt.

Veganes Leben macht friedlich

Durch das, was wir essen, nehmen wir auch bestimmte Energien in uns auf. Tiere erleiden sehr wahrscheinlich Angst und Schmerz, bevor sie getötet/ geschlachtet und gegessen werden. Wenn wir Fleisch essen, nehmen wir diese Energien in uns auf.

Pflanzen sind friedlich und still. Ob sie Schmerzen empfinden oder auch leiden, wissen wir nicht.

Vielleicht macht veganes Essen friedlich(er). In längeren Phasen des veganen Lebens spüre ich das deutlich und ich erlebe mehr Harmonie, Frieden und das Bedürfnis, den Menschen um mich herum so viel Liebe zu geben wie nur möglich. Mein Herz ist freier und meine Energien klar. Ich fühle mich sanft und rein.

Mit dieser Ernährung kann ich meinen Geist und mein Herz wunderbar auf Gott ausrichten. Und ich werde hoffentlich immer mehr zum Werkzeug seiner Liebe. Letztlich ist es das, wonach ich vor so vielen Jahren gesucht habe.

Fleisch für Festtage

Fleisch ist eigentlich Luxus. Dennoch wird es zu Dumping-Preisen im Discounter verscherbelt. Es ist das Leben anderer, was zu Billigpreisen verkauft wird. Durch das Prinzip von Angebot und Nachfrage wird produziert und Preise werden kalkuliert. Wenn nun die Nachfrage nach Fleisch drastisch absinken würde, würde man weniger produzieren und der Preis wieder ansteigen.

Wenn wir wieder wie zu „Omas Zeiten“ maximal sonntags und an Festen Fleisch essen würden, könnten wir uns teueres Fleisch leisten und vielleicht hätten dann auch die Massentier-Schlacht-Anlagen ausgedient. Machen wir uns endlich bewusst, was wir da anrichten und machen dem ein Ende. Wir sitzen doch am längeren Hebel.

Wenn wir an die überfischten Meere denken und welch unermesslichen Schaden wir damit anrichten, dann gilt gleiches sicherlich auch für den Fisch-Verzehr. Und warum sollte ein erwachsener Mensch angewiesen sein auf die Muttermilch einer Kuh?!

Bewusstes Essen – bewusstes Leben

Nach so vielen Jahren des Ausprobierens im Bereich der Ernährung bin ich demütig geworden. Sind Veganer die besseren Menschen? Ich weiss es nicht. Und so pauschal kann man das sicherlich nicht sagen. Aber je bewusster wir insgesamt konsumieren und uns wirklich fragen, wo all das her kommt und wie es hergestellt wurde, was wir da alles im Supermarkt finden und anschliessend auf unseren Tellern landet, desto besser ist es für uns und alle anderen.

Finde selbst heraus, wie viel veganes Leben in dir steckt. Sind es 25 % oder 50 % oder gar 100 % veganes Leben? Auf jeden Fall sollte es zu deinem Hundertprozent Leben passen.

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