Mädchen steh auf!

Vor etwa drei Jahren erschütterte mich dieser eine Satz bis ins Mark. Ich war damals, wie des öfteren zu dieser Zeit, zu Besuch in einem Kloster in Bayern. Eigentlich ist es nicht nur ein Kloster, sondern „mein“ Kloster. Denn schon beim allerersten Besuch dieses wunderschönen Ortes hatte ich das Gefühl, endlich nach Hause zu kommen.
Aber nun zurück zu dem Augenblick, an dem mich dieser ganz bestimmte Ausruf innerlich bewegte wie kaum ein anderer.
Ich besuchte das Kloster damals, weil ich mich nach Ruhe sehnte. Ich fühlte mich erschöpft ohne genau zu wissen wovon eigentlich. Mir fehlte irgendwie der innere Antrieb, der tiefere Sinn in meinem Leben. Ich hatte zwar meinen Glauben, der mir ausreichend sinnvoll erschien, aber was sollte ich konkret mit meinem Leben machen? Wo war meine Motivation und meine Lebens-Vision?

Ich besuchte an jenem besonderen Tag die heilige Messe, genauer die göttliche Liturgie bei den byzantinischen Mönchen. Der Priester stand uns zugewandt mit der heiligen Schrift vor der Ikonenwand und las folgende Begebenheit aus den Evangelien vor (hier frei wiedergegeben vgl. Lukas 8,40-56; Markus 5,21-43; Matthäus 9,18-26):

„Jesus wird zu Jairus‘ Haus, dem Synagogenvorsteher, gerufen, denn seine Tochter wäre gestorben. Als der Meister das Haus erreichte, war großes Weinen und Klagen. Doch Jesus ließ sich nicht beirren und ging hinein und zu dem Mädchen hin. Er setzte sich an ihr Bett, nur die Eltern des Kindes waren dort. Jesus blieb ruhig, nahm die Hand des Kindes und sagte: „Mädchen steh auf“. Und das Mädchen setzte sich auf. Jesus sagte zu den Eltern: Gebt ihr zu essen.“

Als nun der Priester während des Gottesdienstes das „Mädchen steh auf“ vorlas, wusste ich augenblicklich, dass er (auch) mich damit meinte, sowohl der Priester als auch Gott höchstpersönlich. Ich fühlte mich aufs Intimste angesprochen. Ja, er meint(e) wirklich mich damit. Das war die Antwort, nach der ich suchte und mich sehnte.

Es war die Antwort auf die Frage, was ich ganz konkret machen sollte. Aufstehen, ja-sagen zu mir, zu meinem Leben. Es annehmen. Wieder neu geweckt werden. Kraft schöpfen, nicht nur um aufstehen zu können, sondern um weiter zu gehen. Um Potentiale zu leben. Chancen zu ergreifen, Ziele zu definieren und den Weg dorthin zu planen. Und in all dem das Wesentliche zu leben.

Der Ruf des Lebens an uns hört, solange wir leben, niemals auf. Verschwende deine kostbare Zeit nicht. Ein Leben kann so schnell vorbei sein. Lebe nicht, um zu arbeiten, sondern arbeite um zu leben. Arbeite nicht, um dir Dinge zu kaufen, um Leute zu beindrucken, die dich sowieso nicht wirklich kennen.

Gott ist unsichtbar. Wir sehen ihn nicht unmittelbar, deshalb zweifeln auch einige an seiner Existenz. Und ER scheint sich vermeintlich aus allem raus zu halten. Dem ist aber nicht so! Wir müssen nur wieder lernen, richtig hinzuhören. Seine Zeichen wahr zu nehmen. Aber wie soll das gehen bei all dem Lärm unseres Lebens und all der Ablenkung?!

Wenn wir wieder Ruhe in unser Dasein bringen, bewusst atmen und unsre Gedanken sammeln, dann geschieht schon eine ganz natürliche Magie. Von hier aus können wir lernen, mehr und mehr SEINE Sprache zu sprechen, die Liebe  ist. Denn wie Mutter Teresa schon wusste: überall dort, wo Liebe ist, ist Gott.

Mein Erlebnis von damals hat mich grundlegend verändert, auch wenn mein Leben immer noch kurvig verläuft und Zeiten der Unruhe nicht gänzlich ausbleiben. Aber die Erinnerung daran ist lebendig und sie inspiriert mich immer wieder aufs Neue aufzustehen, zu leben, zu sein. In diesem Falle Hundertprozentig Ich.

Steh auch du endlich auf und lebe.

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