Vertrauen

Ist es heute fast unmöglich geworden, tiefes Vertrauen haben zu können? Innerhalb menschlicher Beziehungen, in denen es so manches Mal an wirklicher Wertschätzung und gelebten zwischenmenschlichen Werten mangelt, inmitten einer Natur, die jeden Tag wissentlich und ohne Skrupel mehr geschädigt wird und in einer Welt, die voller Grausamkeiten, Katastrophen, Krieg, Terror und Gewalt ist?

Ist in uns und um uns herum zu viel Enttäuschung, zu viel Verhärtung und zu viel Desillusionierung?

Tatsächlich sehen wir uns und die Welt vermutlich so, wie beides sicherlich letztlich nicht gedacht ist. Haben wir noch die Möglichkeit auf echtes Vertrauen, einen tiefen Glauben und berechtigte Hoffnung?

Annahme braucht Vertrauen

In den letzten Artikeln ging es viel um Annahme und das grundsätzliche Gefühl der Akzeptanz, dass alles (erst einmal) da sein darf, wie es gerade momentan ist. Ich denke, die Basis hierfür, um dem genügend Raum geben zu können, ist Vertrauen.

Ein Vertrauen, angenommen zu werden, so wie ich bin. Egal ob es mir gerade gut geht oder schlecht. Aber auch ein Vertrauen darin, dass es wieder aufwärts geht, wenn ich gerade an einem Tiefpunkt bin. Und letztlich ein Vertrauen ins Leben schlechthin, dass alles einen tieferen, wichtigeren Sinn hat. Ein Vertrauen auch in die be-hinderten Zeiten des Lebens und vielleicht sogar der Glaube, dass eine über uns selbst hinaus grössere, geordnete Kraft existiert, die mich führt und mir hilft.

Vertrauen erscheint vielleicht manches Mal schwer, aufgrund der äusseren Umstände oder inneren Enttäuschungen. Vielleicht haben wir vielmehr gelernt, zu kontrollieren als zu vertrauen. Das Magisch-Extatische unseres Lebens bleibt dann aus und an Wunder glauben wir erst recht nicht.

Etwas, das wir weder sehen noch richtig kennen, gibt es nicht, meinen wir eventuell. Und das Sichtbare, Erklärbare, Steuerbare erscheint uns logischer. Doch Hundertprozent Leben ist nicht immer logisch. Kontrolle macht unser Leben hart wie eine Nussschale. Und die „Frucht“ des Lebens bleibt im Verborgenen.

Wenn wir nicht vertrauen, kann sich unser Leben nicht richtig entfalten. Wir bleiben auf schmalen, sicheren Wegen, auf denen sich das volle Potenzial unseres Lebens vermutlich nicht finden lässt.

Wage also mutig zu vertrauen. Wie schön ist es, sich sprichwörtlich fallen zu lassen, um festzustellen, dass man gar nicht so tief fällt?!

Sich anderen anvertrauen

Wir müssen auch nicht alles allein schaffen. Vielleicht ist das sogar das grösste Missverständnis des modernen Mensch-seins, dass wir alles schaffen, alles können, alles erreichen (müssen). Und dass wir unabhängig sind. All das treibt uns in Isolation, Frustration und Überforderung. Ich glaube, der Mensch ist zutiefst Beziehungs-Wesen und eben nicht unabhängig.

Menschen, die komplett ignoriert werden oder allein und einsam sind, leiden eventuell mehr noch, als Menschen, die (wenigstens) unfreundlich behandelt werden. Ganz zu schweigen von der heilenden Kraft, die von einer liebevollen Umarmung ausgehen kann!

Es ist schön, sich anderen im Vertrauen zu öffnen. Ich darf meinem Freund, meiner Freundin ruhig sagen: „mir geht es gerade nicht gut“. Und erst dann kann ich befreit und vollen Herzens mit ihm/ihr lachen, wenn alles wieder gut ist. Das Leben hat seine Höhen und Tiefen. Kosten wir beides. Miteinander und füreinander.

Sich etwas Höherem anvertrauen

Am Ende eines Tages (oder eines Lebens) sagen zu können: „ich lege meine Seele vertrauensvoll in Gottes Hände“ ist für mich Ausdruck vollkommenen Vertrauens. Wir können uns jeden Tag, jeden Augenblick darin üben. Wie viel besser ist es vielleicht zu glauben, dass es etwas Höheres gibt, was ich zwar weder sehen, geschweige denn vollständig verstehen kann, aber was spürbar wird, wenn ich mich dem anvertraue?

Vielleicht bedeutet dies in gewisser Weise eine Schmälerung des Kontrollierbaren. Aber wenn wir ehrlich mit uns sind: alles können wir eh nicht willentlich steuern. An die Stelle der Kontrolle rückt dann der Glaube. Und Glauben heisst: hoffen und vertrauen. Hoffnung auf ein sinn-erfülltes Dasein und Vertrauen letztlich ins Gelingen unseres Lebens – hundertprozentig.

Wenn du magst: „Vertraue darauf, dass deine Zukunft in seinen Händen liegt“. (Psalm 31,16)

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Für meine Freundin Christiana und meinen Freund Chris.

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