Kennst du deinen Sinn?

Hast du dich schon einmal gefragt, was der eigentliche Sinn deines Lebens ist? Was ist der Grund, warum du hier bist? Fühlst du dich zu einer bestimmten Sache oder Aufgabe berufen? Und kämpfst mit all deiner Kraft und Hingabe für diese Aufgabe, für dein Ziel? Oder lebst du vielmehr so in den Tag hinein, mit alltäglicher Routine und gelegentlichen Highlights? Ich weiß, das sind viele Fragen… diese möchte ich gern mit dir gemeinsam beleuchten und reflektieren:

Die Frage nach dem Sinn des Lebens und damit der Bestimmung eines jeden einzelnen Menschen im Leben darf nicht mit einer rationalen oder gar einmaligen Entscheidung und einer daraus resultierenden fixen Festlegung auf ein spezifisches Lebens- oder ein Welterklärungsmodell verwechselt werden.

Viel eher ist die Bestimmung eines jeden Menschen im Leben ein dynamischer, immer währender Prozess, der das ganze Leben lang 
über potenziell wandelbar bleibt. Wir können auch nicht davon sprechen, dass jeder Mensch die gleiche Bestimmung empfindet. Noch können wir für jeden behaupten, es gäbe die eine richtige Bestimmung für jeden.

Die Bestimmung, zu der sich ein Mensch berufen fühlt, kann sehr subjektiv sein. Wie und wo ein Mensch Sinn oder Un-Sinn seines Lebens empfindet, ist stark mit seiner Lebensgeschichte, seiner eigenen Biographie verbunden. Die Erfahrungen, die ein Mensch im Laufe seines Lebens erfährt, bilden, prägen und beeinflussen seine Wahrnehmung nach Sinn oder eben Unsinn seines Lebens.


Jedes menschliche Leben kann in vier Lebens- beziehungsweise Reifungsphasen eingeteilt werden. Diese sind: 1. Die Kindheit, 2. die Adoleszenz, 3. die mittleren Jahre und 4. das Alter beziehungsweise das Ende des Lebens. Die erste Phase im Leben, die Kindheit, kann nochmal in sich in zwei Phasen eingeteilt werden: 1. das erste Lebensjahr und 2. das zweite bis sechste Lebensjahr.

Gerade das erste Lebensjahr legt gewissermaßen den Grundstein, ob wir und wie stabil wir im weiteren Verlauf unseres Lebens Sinn erfahren. Im ersten Lebensjahr geht es ganz stark um die Erfahrung des grundsätzlichen Angenommen-Seins, des Gewollt-Seins. Wenn wir beides durch die Liebe und Fürsorge unserer Eltern beziehungsweise durch andere enge Bezugspersonen erfahren, entwickeln wir ein Urvertrauen ins Leben, welches uns stabil im Leben wachsen lässt.

Auf einer positiven Erfahrung von Bindung in den ersten Lebensjahren kann sich unser Leben entfalten. Wenn wir ausreichend Urvertrauen und Bindung erleben, können wir auch unserem Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Autonomie nachgehen. Dies gilt im Speziellen für unser kindliches Heranreifen, aber auch dann in späteren Jahren, wenn wir uns in Beziehung zu anderen Menschen erleben.

Verweilen wir aber noch kurz bei dem Kleinkind. Im Alter von 2-3 Jahren entwickelt das Kind den Wunsch, „Dinge“ allein zu tun. Und es nimmt immer mehr sein eigenes „Ich“ wahr. Es erkennt sich im Spiegel und spürt deutlich Gefühle von Lust und Unlust. Es entwickelt, wie man umgangssprachlich sagt, „seinen eigenen Kopf“, der eigene Wille entsteht. Die meisten Eltern kennen dies nur zu gut in der Wut- und Trotzphase des Kindes.

Das Kind lernt zwischen „Ich und Du“, „gut und böse“ und „will ich“ oder „ich will nicht“ zu unterscheiden. Unbewusst stellt es sich damit die Schuldfrage (z.B. „Mama ist schuld“ oder „ich bin schuld“). Die Schuldfrage, mit der automatisch Dinge oder Personen in Frage gestellt, beziehungsweise auf Distanz (Abgrenzung) gebracht werden, trifft dann in jedem kleinen Menschen auf das Urvertrauen und den innigen Bindungswunsch. Beide stehen sich quasi gegenüber und korrespondieren miteinander. Ein Leben lang bleibt das innere Zwiegespräch zwischen dem Wunsch nach Abgrenzung & Autonomie und dem Wunsch nach Bindung bestehen.

Ich finde dies besonders spannend im Hinblick auf unseren Glauben. Wenn wir Glauben als uneingeschränktes Vertrauen verstehen und Religion im ursprünglichen Sinne des Wortes als Rück-Bindung an etwas Höheres verstehen, haben wir in den ersten Lebensjahren schon viele Weichen gestellt bekommen, ob wir unsere Bestimmung und den Sinn unseres Lebens eventuell auch bei Gott und im Glauben finden oder nicht. Auch unser urmenschliche Wunsch nach Unabhängigkeit und Autonomie möchte hier einsortiert werden und findet im von Gott geschenkten „freien Willen“ eine mögliche positive Antwort und nicht nur im rationalen naturwissenschaftlich-atheistischen Modell, welchem grundsätzlich das Element der (liebevollen) Bindung fehlt.

Nun zurück zu den Lebensphasen, in denen sich unsere Wahrnehmung von Sinnhaftigkeit und Bestimmung aufbaut und entwickelt. Nach den ersten Lebensjahren und der Kindheit im Allgemeinen folgt die Zeit der Adoleszenz beziehungsweise der Pubertät. Hier findet entwicklungspsychologisch die eigene Identitätsfindung statt, was diese Zeit im Leben durchaus so herausfordernd macht.

Die jungen Menschen fragen (bewusst oder unbewusst) danach, wer sie sind, woher sie kommen und was der Sinn des Lebens sein könnte. Durch das Suchen nach der eigenen Identität wird der Wunsch nach Autonomie noch größer und so manche Bindung wird neu aus justiert und neu bewertet und eingeordnet, was die potentiellen Konflikte zwischen Eltern und ihren Heranwachsenden in dieser Phase erklärt.

Neben den gegensätzlichen Polen „Autonomiewunsch“ und „Bindungsbedürfnis“ wird eine weitere Dynamik im Erleben des Teenagers deutlich: das Bedürfnis nach Lusterfüllung beziehungsweise Unlust-Vermeidung und dem Streben nach Anerkennung und Geltung. Beides ist meines Erachtens wesentlich daran beteiligt, wie der junge Mensch seine Identität findet und empfindet.

Diese vier Grundbedürfnisse nach 1. Bindung, 2. Autonomie, 3. Lustbefriedigung und 4. Anerkennung werden austariert und anhand der eigenen Wahrnehmung (bewusst oder unbewusst) als erfüllt oder nicht erfüllt erlebt, was meines Erachtens wesentlich dazu beiträgt, ob jemand positiv in und mit seiner Identität „beheimatet“ ist.

Wenn Adoleszenz letztlich „gelingt“, haben wir am Ende dieser Phase einen jungen Erwachsenen, der sich in die Fragen: „wer bin ich?“ und „was ist der Sinn meines Lebens?“ grob einsortiert hat. All dies geschieht mal mehr, mal weniger bewusst.

In den mittleren Jahren dann kommt es, häufig ausgelöst durch eine Krise, zu einer erneuten Reflexion dieser Fragen. Auch die Wahrnehmung der eigenen Identität wird gegebenenfalls neu überprüft und neu ausgerichtet. Aufgrund von in dieser Lebensphase erlebten Verlusten (Tod der Eltern, Auszug der erwachsenen Kinder, Trennung/ Scheidung vom Partner usw.) und ggf. damit verbundenen Schuldgefühlen, gerät vielleicht die Basis unserer bis dato empfundenen Sinnhaftigkeit heftig ins Schwanken.

Vielleicht kommen dadurch auch alte Gefühle und Ängste des Nicht-Geliebt-werdens aus der Kindheit an die Oberfläche unseres Bewusstseins. Gerade wenn die eigenen Eltern alt werden und sterben, kommen oft Kindheitserfahrungen in uns hoch und möchten neu betrachtet und gegebenenfalls geheilt werden.


Wir bemerken in den mittleren Jahren auch vermehrt unsere eigene Vergänglichkeit und die Zerbrechlichkeit des Lebens an sich. Parallel dazu nehmen wir vielleicht Noch-Nicht-Gelebtes in uns wahr und fühlen uns unter Druck, dieses noch auszuleben. Dies 
alles kann uns mächtig in die Krise ziehen, die sogenannte Midlife-Crisis. Das, was wir vielleicht bis dahin in unserem Leben erfahren haben oder nicht erfahren haben, kann uns hier nützlich sein oder potenziell noch mehr Schaden anrichten.


Vielleicht ist es bei vielen Menschen auch so, dass sie sich erst anhand dieser Dynamik in der Mitte ihres Lebens bewusst nach der Bestimmung und Sinnhaftigkeit ihres Lebens fragen. Vor allem durch die bewusste Erfahrung der Endlichkeit des menschlichen Lebens kommt der Mensch eigentlich nicht umhin, sich damit bewusst auseinander zu setzen.

Menschen, die ihr Lebensfundament im christlichen Glauben haben, können hier nachhaltig durch die Hoffnung auf Vollendung und durch die Ewigkeitsperspektive „getragen“ werden. Dies gilt dann insbesondere auch in der letzten Lebensphase, dem Alter.

Im Alter können wir das Meiste nur noch rückblickend betrachten, denn die meiste Zeit unseres Lebens liegt schon hinter uns. Wir können das Leben rückblickend verstehen oder nicht verstehen. Vielleicht wollen einige unter uns auch nicht zurückblicken, weil es zu viel Ungelöstes und Unbeantwortetes enthält. Auch mag es sein, dass ein „Nach vorn schauen“ Richtung Ende des Lebens zutiefst verdrängt wird, weil die positive Perspektive fehlt.

Spätestens am Ende unseres Lebens entscheidet sich, ob wir bereit und fähig sind, loszulassen. Auch Uns irgendwann loszulassen, nämlich zu sterben. Hilfreich bei diesem Loslassen ist die Hoffnung und der Glauben zu wissen, wohin ich falle, wenn ich loslasse und dass ich mir am Ende meines Daseins meiner letzt-endlichen Bestimmung gewiss bin. Am Ende des Lebens finde ich also Bestätigung meiner bis dahin angenommenen Bestimmung oder ich verzweifle und hadere an und mit meinem Dasein.

Der Sinn des Lebens ist und bleibt wandelbar und dynamisch und ist äußerst abhängig von unseren jeweiligen Lebenserfahrungen und deren subjektiven Interpretationen.
 Ob ein Mensch eine Bestimmung im Leben wahrnimmt, hängt stark, wie oben schon genannt, mit seiner eigenen Biographie und deren eigens erlebten Sinnhaftigkeit oder Sinnlosigkeit zusammen.

So ist der von jedem einzelnen empfundene Sinn des eigenen Lebens höchst individuell. Und dennoch können wir im Glauben an Gott eine generelle Bestimmung des Menschen finden, nämlich ihn als unseren Herrn und Gott anzuerkennen und wenn wir im Verlauf unseres Lebens im Idealfall versuchen, ihm immer ähnlicher zu werden und sein Wesen, welches Liebe ist, immer mehr durch uns, unsere Person und unser Leben durchscheinen lassen. Dies setzt natürlich den Glauben voraus.
Ich hoffe sehr, dass du für dich einen Sinn im Leben erkennen kannst. Damit dein Leben lebendig gestaltet und gelebt wird – von DIR  – für ein hundertprozentiges Leben!

 

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