Die Jogginghose

Anlässlich des Todes von Karl Lagerfeld hörte ich heute im Radio seit langem mal wieder eines seiner berühmten Zitate: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“. Wieder einmal sehr provokante Worte vom großen Modezar. Wir können darüber schmunzeln, uns aufregen oder vielleicht sogar nachdenklich werden, was das eventuell mit uns zu tun haben könnte, auch wenn wir nicht unbedingt in Jogginghose vor die Tür gehen (jenseits jeglicher sportlicher Aktivitäten versteht sich…).

Was bedeutet es für dich sprichwörtlich eine Jogginghose zu tragen?!

Für mich bedeutet es, dass ich mich ziemlich bequem in meinem Leben eingerichtet habe. Dass ich mich nicht besonders um Äußerlichkeiten und um eventuelle Herausforderungen sorge, weil ich mich sicher weiß. Das Meiste ist mir dann zu unbequem und zu anstrengend, deswegen das Altbekannte, Ausgebeulte.. Dann bin ich also mitten drin, in meiner Jogginghose, in meiner Komfortzone.

Dass heißt nicht, dass wir es uns nicht auch mal gemütlich machen oder ausruhen sollten. Immer im Höher- Weiter- Schneller- Modus zu leben, kann sehr schnell brenzlich werden, wenn nicht gar zum totalen Ausbrennen führen.

Ein permanenter Aufenthalt in der sogenannten Risikozone, dem genauen Gegenteil von der Komfortzone, überfordert uns und verbraucht all unsere Kraftreserven. Das bekannte Abbrennen der einen Kerze an beiden Enden kann nicht gut gehen!

Also weder der Daueraufenthalt in der Komfortzone aka der Jogginghose noch das permanente Spiel mit dem Feuer und dem übermäßigen Verbrauch unserer Lebensenergie sind wirklich zielführend und vor allem dienen beide nicht unserem wirklichen, persönlichen Wachstum.

Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt angekommen. Worum geht es im Leben denn wirklich? Geht es darum, dass wir uns, wenn wir einen bestimmten Standard erreicht haben, im wahrsten wie auch übertragenen Sinne häuslich einrichten und die Dinge ihrem Lauf überlassen? Geht es darum, sich auf verdienten (oder nicht verdienten Lorbeeren auszuruhen) und einfach dem Alltäglichen zu frönen?

Wir arbeiten tagein –  tagaus für das nächste Wochenende, den nächsten freien Tag, den nächsten Urlaub, die Rente.. du kennst das sicherlich. Und unser Leben gleitet so dahin, unsere Lebenszeit verrinnt, aber irgendwann ist der Sand in der Sanduhr unten… und dann?

Vielleicht sagst du jetzt: ja, so ist es eben. Wie kann es anders sein? Und sich permanent aufzureiben, um irgendwie weiter zu kommen, bringt auch nichts und führt bestenfalls in die Erschöpfung am Wochenende, am freien Tag, im Urlaub oder in die Krankheit (wenn der „Urlaub“ zu lange auf sich warten lässt..).

Wenn es also weder darum geht, in der Jogginghose des Lebens rum zu lümmeln noch darum, sich selbst durch andauernde Unruhe, Überforderung und Dauerbelastung auszubrennen, worum denn dann?!

Es geht meiner Ansicht nach um Wachstum. Es geht um echtes Erwachsen-werden, um Reife, um gute Selbstfürsorge und um die Sorge für das Allgemeinwohl, es geht um Gelassenheit, Frieden und um Lebenslanges Lernen. Und vor allem geht es darum, zu lieben.

Wir sind jenseits der Komfortzone, wenn wir anfangen, ungewohnte Dinge zu tun, die uns herausfordern, die uns (ein bisschen) Angst machen und wir sie dann aber trotzdem tun, weil wir wissen, dass sie richtig und gut sind, ohne uns in all dem zu überfordern. Dann sind wir in der sogenannten Wachstumszone des Lebens.

Wir wachsen, wenn wir aufhören uns zu verstellen, wenn wir aufhören, anderen unbedingt gefallen zu müssen, wenn wir in eigener Verantwortung Veränderungen einleiten, die kurzfristig vielleicht etwas holprig sind, uns aber mittelfristig zu dem Menschen machen, zu dem wir bestimmt sind zu werden. Wir wachsen, wenn wir authentisch werden.

Wenn wir es mit oben Genanntem übertreiben, geraten wir vielleicht ebenfalls in die Risikozone.  Wir überfordern uns dann vielleicht. Kurzfristig kann das mal in Ordnung sein, dauerhaft macht es uns krank und unfähig, glücklich zu sein.

Genauso ist es, wenn wir es untertreiben, also in der Jogginghose bleiben.. auch dann werden wir krank, weil uns unser Leben sinnlos und leer erscheint. Das führt ebenfalls nicht zum Glücklich-Sein.

Glücklich können wir meines Erachtens nur werden, wenn wir anfangen, innerlich zu wachsen. Wenn wir uns den ganz persönlichen Aufgaben unseres Lebens stellen. Wenn wir sie mutig anschauen, wenn wir Lebensthemen bewältigen & meistern, wenn sich durch Achtsamkeit und Übung alte Lebens-Energien auflösen, die uns ausbremsen und unser eigentliches, einzigartiges Potenzial sabotieren. (Falls dich das interessiert, lies ebenfalls den Artikel „Die Lügnerin“).

Wenn wir zu wachsen lernen, an uns selbst und den Themen und Aufgaben, die sich in unserem Leben darstellen, wenn wir mutig vorangehen, auch wenn wir Angst haben, dann werden wir wirklich lebendig.

Ja, es gibt manchmal auch „Wachstumsschmerzen“, aber ähnlich wie Wehen bei einer Geburt wissen wir, dass sie gut sind und etwas Besseres und Großartiges zur Welt bringen werden.  Und wie schön ist es dann, sein „Kind“, dein eigenes Leben in deinen Händen zu halten ?!

Ich möchte dir Mut machen, die Jogginghose auszuziehen. Das Leben ist zu kurz und zu schön für so ein Kleidungsstück. Wie der Modemeister Karl Lagerfeld schon ähnlich sagte: Wenn du dein Leben in der Jogginghose verbringst, hast du dein Leben nicht im Griff. Nicht in deinen Händen. Nicht in deiner Verantwortung.

Das echte Leben voll von innerem Wachstum, Lebendigkeit, Schönheit, Reife, Verantwortung und tiefer Liebe findet in „schönen Kleidern“ statt. Das Leben ist es wert, schön und sorgfältig gekleidet zu werden. Und du bist es auch wert!

Und damit meine ich nicht nur die äußere Garderobe, sondern und vor allem dein inneres Outfit: Deine Gedanken, deine Gefühle, deine Lebensenergie, deine Lebensfreude, dein Lebensglück! Für dein hundertprozentiges Leben.

 

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