Von Corona und einer besonderen Katze

2020: Mitte März bis Ende Mai. Diese Zeit hat mein Leben vollkommen verändert. Ich habe Menschen, Freunde und Familie erlebt, wie ich sie zuvor nicht eingeschätzt hätte. Ich habe auch mich ganz neu kennengelernt, glücklicherweise in sehr positivem Sinne. Und durch den Lockdown konnte ich noch mehr Zeit mit meiner geliebten Katze verbringen, als sowieso schon. Hätte ich gewusst, dass es die letzten Wochen mit ihr waren, wäre ich noch bewusster damit umgegangen..

Tatsächlich. Es ist eine radikale Zeit der Entscheidung. Und der Klarheit.

Wir entscheiden uns für die Angst und gegen das Vertrauen oder umgekehrt. Wir hassen mehr und lieben weniger oder umgekehrt. Wir distanzieren uns oder rücken näher zusammen, weil wir die anderen verstehen wollen. Wir umarmen uns oder stoßen den anderen weg. Wir sortieren aus, teilweise gnadenlos, teilweise subtil und langsam. Wir stigmatisieren und denunzieren oder lassen es bleiben. Wir sind gespalten und abgespalten von unseren Herzen.

Die Menschen zeigen trotz Maske (oder gerade deshalb) endlich mal ihr wahres Gesicht. Alles wird irgendwie authentischer, ehrlicher und damit auch ein Stück weit „brutaler“, weil so manche Enttäuschung sich offenbart.

Bei manchen liegen die Nerven blank, die Geduld ist am Ende oder sie zeigen sich herzlos, mit Unverständnis oder Ignoranz. Darunter mischt sich Angst ums eigene Leben gepaart mit der Blindheit um die eigene Vergänglichkeit. Andere wiederum sind für dich da, von denen du es eher weniger erwartet hättest.

Wir entdecken ganz neu die sogenannten Kopfmenschen, Herz- und Bauchmenschen.

Bislang hatten wir es uns alle eigentlich ganz gemütlich eingerichtet in einem Komfortleben, welches wir meinten, selbst zu gestalten, selbst zu steuern und beeinflussen zu können. Doch nun sagt uns die Bedrohung durch ein Virus und Corona-Staat, wo und wie wir uns bewegen dürfen oder eben auch nicht.

Aber was sagt dein Kopf?

Dein Herz?

Dein Bauch?

Es ent-scheidet sich eben. Hast du dich schon entschieden?

Freiheit oder Zwang?

Kopf oder Herz?

Liebe oder Karriere?

So habe ich mich entschieden:

Freiheit: Corona und meine Katze lehrten mich Freiheit. Sie kam als Streuner zu mir, ungewiss wie lange sie vorher draußen auf sich allein gestellt war. Sie war freiheitsliebend, so wie ich. Und aus dieser Freiheit heraus, schenkte sie mir all ihre Liebe, so wie ich es gern tue.

In der ersten Nacht, in der sie bei mir war, stand sie neben meinem Bett und schaute mich an, wissend und fragend zugleich. „Ist sie mein Lieblingsmensch? Ja, sie ist es“, tat sie kund, indem sie zu mir ins Bett gesprungen kam und an meiner Seite einschlief.

Das war vor knapp 2 Jahren und dieses Verhalten und diese Liebe wurden immer tiefer zwischen uns. Freiheitsliebend wie sie war entschied sie letztlich auch ihren Tod selbst und nicht über die geplante Euthanasie.

Herz: Meine Katze brachte mir trotz meiner jahrelangen Yogapraxis und Erfahrung mit Meditation erst wirklich bei, ganz im Augenblick zu sein. Atmen und Gewahrsein im absoluten Jetzt und was das wirklich bedeutet. Liebe strömen lassen, von Herz zu Herz.  Alles fühlen, was da ist. Ohne Bewertung. Bedingungslos. Sie zeigte mir auch die unendliche Freude und Zärtlichkeit im jeweiligen Moment und wie es geht, schonungslos sein Herz zu öffnen, zu lieben bis zum Horizont und darüber hinaus.

In der letzten Stunde vor ihrem Tod zeigte sie mir, dass die Liebe sogar größer ist als jeder Schmerz, jede Qual und stärker ist als der Tod. Mit ihrer letzten Kraft kam sie ein letztes Mal in meinen Arm, ich dankte ihr und sie dankte mir. Und für mich war es der letzte Lernschritt, den wir alle einmal nehmen müssen, bevor wir endgültig gehen, das Loslassen in vollkommener Liebe. Denn manchmal müssen wir genau das loslassen, was wir lieben. Und sei es irgendwann unser eigenes Leben.

Liebe: Durch die Corona Zeit bedingt lief Anfang des Jahres mein Yoga & Coaching Studio weiterhin auf Sparflamme. Doch eigentlich hätte es nun richtig losgehen sollen ab März. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Kein Unterricht mehr, Kontaktverbot.. alles. So entschloß ich mich im Mai schweren Herzens, aber umso bewusster die richtige Entscheidung zu treffen, meine „Karriere“ an den sprichwörtlichen Nagel zu hängen. Loslassen, was nicht funktioniert.

Alles okay. Karriere ist vermutlich nichts für mich. Sie macht mich nicht frei und auch nicht zu einem besseren, liebevolleren Menschen. Vielleicht würde sie sogar mein Herz verschließen und würde mich zum Kopfmenschen werden lassen. So wie bei denjenigen, die nicht nachvollziehen können, wieso man wegen eines verstorbenen Haustieres so trauert, die es nicht mal erachten, zu fragen wie es einem geht oder sich einfach gar nicht melden, obwohl sie davon wissen.
Leute, wo sind eure Herzen ? Ganz ehrlich…was ist los mit euch?!

Ich habe meine Katze sehr geliebt! Sie war ein Familienmitglied! Durch sie bin ich zu einem besseren, liebevolleren Menschen geworden. Ich vermisse sie schmerzlich. Aber ja, das Leben geht weiter.

Nur in der Liebe und durch sie sind wir wirklich frei. Durch die Liebe zu meiner Katze habe ich gelernt, auch mich selbst mit anderen Augen zu sehen, freier von bestimmten Erwartungen an mich, mit deutlich weniger Bedingungen. Weil da ein Wesen war, was genau das tat. Und sie hat es mir gespiegelt.

Und sie lehrt mich über ihren Tod hinaus, zu mir zu stehen. Denn ich bin genau richtig, so wie ich bin. Mit all meinen Gefühlen, in all den Tiefen und Höhen. Trauer ist ein gewaltiges Gefühl. Viele Menschen haben Angst davor und verbieten dir geradezu, deiner Trauer einen Raum zu geben. Aber das ist falsch, glaub mir. Jedes Gefühl möchte gefühlt werden. Auch die traurigen, schmerzhaften, blöden.

Das ist onehundredpercentlife. Und dafür stehe ich hier und schreibe für dich. Damit du nicht vergisst zu fühlen, zu leben und zu lieben! Wir sind keine Maschinen, die funktionieren. Wir sind Menschen. Entscheide selbst, was das genau für dich bedeutet. Das ist ONEHUNDREDPERCENTLIFE 

2 Gedanken zu “Von Corona und einer besonderen Katze

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